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	<title>Hundertwasserhaus Blog &#187; Zur Philosophie des Hauses</title>
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		<title>Das Haus ist nicht mit normalen Maßstäben zu messen</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 13:05:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Fürst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Philosophie des Hauses]]></category>

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		<description><![CDATA[Hundertwasser bei der Pressekonferenz mit Bürgermeister Gratz am 30. September 1980 in Wien So ist es unumgänglich, daß mit einer ganzen Reihe von überholten Bestimmungen gebrochen werden muß. Diese Bestimmungen, Gesetze und Verordnungen sind zu einer anderen Zeit unter anderen &#8230; <a href="http://www.hundertwasser-haus.info/blog/2011/07/19/das-haus-ist-nicht-mit-normalen-masstaben-zu-messen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hundertwasser bei der Pressekonferenz mit Bürgermeister Gratz</p>
<p>am 30. September 1980 in Wien</p>
<div id="attachment_371" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://www.hundertwasser-haus.info/wp-content/uploads/2011/07/HW_Gratz.jpg"><img class="size-medium wp-image-371 " title="Hundertwasser und Bürgermeister Gratz bei der Modellpräsentation, 1980. Foto: Bernd Lötsch" src="http://www.hundertwasser-haus.info/wp-content/uploads/2011/07/HW_Gratz-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Hundertwasser und Bürgermeister Gratz bei der Modellpräsentation, 1980. Foto: Bernd Lötsch</p></div>
<p>So ist es unumgänglich, daß mit einer ganzen Reihe von überholten Bestimmungen gebrochen werden muß. Diese Bestimmungen, Gesetze und Verordnungen sind zu einer anderen Zeit unter anderen Voraussetzungen zum Wohle und zum Schutze des Menschen geschaffen worden und richten sich jetzt, unter neuen Notwendigkeiten, gegen das Wohl der Umwelt und des Menschen.</p>
<p>Ohne menschengerechte Umwelt und ohne Frieden mit der Natur ist ein menschenwürdiges Dasein unmöglich. Diese Friedensgespräche mit der Natur müssen bald beginnen, sonst wird es zu spät sein.</p>
<p>Mit autoritärer Disziplin und Selbstdisziplin geht das noch so recht und schlecht eine Zeitlang, kann das noch eine Weile aufgeschoben werden. Dann jedoch rebellieren Körper und Seele und wir wissen nicht, warum.</p>
<p>Dieses Haus soll den ersten Ansatz eines Gespräches mit der Natur darstellen. Wobei wir und die Natur gleichberechtigte Partner sind und nicht einer den anderen unterdrücken darf.</p>
<p>So müssen im ökologischen Haus Fensterrecht und Baumpflicht wiederhergestellt werden. FENSTERRECHT bedeutet die Freiheit der schöpferischen Gestaltung des dem Bewohner zugewiesenen vorfabrizierten Wohnbereiches durch den Bewohner.</p>
<p>Dies betrifft insbesondere die Außenmauer seiner Wohnung. „Der Mensch muß die Möglichkeit haben, sich aus seinem Fenster zu beugen und, soweit sein Arm reicht, alles rosa zu bemalen, damit man von weitem, von der Straße sehen kann: Dort wohnt ein Mensch.“</p>
<p>Es muß auch gestattet sein, Kletterpflanzen an der Außenwand wachsen zu lassen. Ob der Bewohner dann von diesem Fensterrecht Gebrauch macht oder nicht, ist seine Sache. Den Staat, die Obrigkeit trifft dann keine Schuld, wenn die Fassaden in tödlich steriler Uniformität erstarrt bleiben, und kann seine Hände in Unschuld waschen.</p>
<p>Der Mensch hat drei Häute. Seine eigene, seine Kleidung und seine Behausung. Alle drei Häute müssen ständig wechseln, sich erneuern, ständig wachsen und sich ununterbrochen wandeln, sonst stirbt der Organismus.</p>
<p>Mit dem Einzug des Bewohners muß die schöpferische Bautätigkeit des Bewohners erst beginnen und darf nicht vor seinem Einzug abgeschlossen sein. Zusätzlich dazu gibt es widernatürliche Gesetze, die jede „eigenmächtige Änderung“ am vorfabrizierten Haus strengstens verbieten. Der Mensch wird so als verblödeter, rechtloser Sklave gehalten, dem jede schöpferische Tätigkeit und Umgestaltung SEINES EIGENEN Wohnbereiches unmöglich gemacht wird.</p>
<p>Der Mensch muß in ein verbrecherisches Haus einziehen, das fundamentale Gesetze der Natur und des Menschen mißachtet, und der Mensch darf das nicht selbständig ändern, obwohl er darin wohnt.</p>
<p>Wenn man verbietet, die Architekturhaut wachsen zu lassen wie seine eigene, ist das ein gefährliches Abwürgen des Lebens. Die gehemmten Energien entladen sich dann woanders: in Aggressionen und Depression, in Krankheit, Unglücklichsein, Scheidung. Selbstmord, Terrorismus, Vandalismus, Geisteskrankheit.</p>
<p>BAUMPFLICHT bedeutet die Wiederherstellung des Dialoges mit der Natur. Es geht um eine fundamentale Kehrtwendung, um eine fundamentale Neuorientierung. Ein tägliches Leben ohne intimen Kontakt mit Bäumen, Pflanzen, Erde und Humus ist menschenunwürdig. Das Warten auf Ferien, Parkanlagen, Wienerwaldspaziergänge ist fast noch weniger als der tägliche Pflichtmarsch des Gefängnisinsassen im Gefängnishof. Es handelt sich nicht darum, bewilligte Pflanzen in noch größerer Anzahl wie dekorative Möbelstücke in bewilligte Vasen, Kübel und Bottiche überall hinzustellen. Auch nicht darum, mehr städtisch gepflegte Rasenflächen anzulegen, sondern darum, der wildwachsenden Natur auch im Stadtbild zu ihrem Recht zu verhelfen.</p>
<p>Es ist doch so, daß ein „nicht bewilligter“ Baum nicht wachsen darf, auch wenn er niemanden stört und allen gefällt. Nur ein frei wachsender Baum ist ein wahrer Partner, der uns mehr gibt, als wir ahnen.</p>
<p>Die Schwierigkeit, ein menschengerechtes Haus, noch dazu für andere Menschen, zu bauen, ist allen Architekten bekannt. Die genormten, vorfabrizierten Bauteile machen ein schnelleres, scheinbar billigeres Bauen möglich, kreative und natürliche Unregelmäßigkeiten jedoch unmöglich.</p>
<p>Ein menschenwürdiges Haus müßte so sein wie ein altes Bauernhaus. Alle Fenster verschieden groß, nicht in einer Fluchtlinie und nicht in einer Ebene liegend, an verschiedenen, harmonisch organischen Stellen angebracht. Die Stockwerke verschieden hoch, die unteren höher, die oberen niedriger. Einige Balkone verschiedener Art und Größe ornamental und organisch angebracht.</p>
<p>Die Außenwand nicht perfekt gerade und flach wie Pressplatten, sondern natürlich, fast unmerklich buckelig, mit der Hand <em>gemacht</em> oder aber mit Mosaik und Ornamenten durchzogen. Die Stufen verschieden hoch, verschieden breit und in verschiedenen Materialien. Wilder Wein, Efeu, Veitschi und Bäume müssen von Anbeginn an im Bauplan verankert sein. Die Bäume müssen noch vor der oder zur Grundsteinlegung gepflanzt werden.</p>
<p>Humustoiletten und Kleinkläranlagen mit Wasserpflanzen an Ort und Stelle müssen die Wasserspültoiletten ablösen. Denn unsere Wasserspültoilette ist gift- und seuchenerzeugend und Wasserverschwendung kommt uns teuer zu stehen. Denn unser Unrat muß durch lange Kanalsysteme in zentralisierte Anlagen geschafft werden, um nach irgendwelchen kostspieligen Methoden neutralisiert zu werden.</p>
<p>Das Vorsortieren und Wiederverwerten der Abfälle durch jeden einzelnen muß eine selbstverständliche und frohe Tätigkeit werden (<em>Inzwischen ist diese Vorhersage Realität geworden.</em>)</p>
<p>Verrottbares Material wird zu Humus. Papier, Glas, Metall, Plastik, Stoffe, Holz und gefährliche Medikamente und Chemikalien werden getrennt abgelagert und abgeholt.</p>
<p>Zu dem Haus:</p>
<p>So viel wie möglich und noch mehr von diesen Grundsätzen für ein menschenwürdigeres, verantwortungsvolleres Wohnen sollte erfüllt werden.</p>
<ol>
<li>Kinder müssen alle öffentlichen Wände zu ebener Erde zum      Bekritzeln, Bemalen und Beritzen zur Verfügung haben, so hoch ihre Hände      reichen. <em>Diese Gratis-Wandbilder</em> kommen allen zugute, da die kalte,      herzlose Anonymität durchbrochen wird. Es stellt sich eine <em>wunderbare      Beziehung</em> her zum Haus, in dem das Kind und seine Eltern wohnen. Das      Haus ist dann kein anonymer, feindlicher Klotz mehr. Diese Wände können      mit 1 cm grauem Gips zum Beritzen und Bemalen versehen und einmal jährlich      erneuert werden.</li>
<li>Gras und Bäume müssen auf allen waagrechten Flächen unter dem      Himmel wachsen können, auch auf den Fahrstuhltrakten, dort, wo im Winter      der Schnee liegt, muß im Sommer alles grün sein. Die Waagerechte gehört      der Natur. Die Senkrechte gehört dem Menschen. Von der Vogelperspektive      ist das Haus unsichtbar, da alles grün ist.</li>
<li>Zugang zu allen Grünflächen, auch von Mietern unter einem Grasdach      und von Mietern schräg unter einem Grasdach. Solcherart verdoppeln sich      die Wohnungen mit Zugang zu Dachgärten.</li>
<li>Ein Stück des alten Hauses, das abgebrochen wird, bestehend aus 2      übereinanderliegenden Fenstern mit Gründerzeitstuck, muß erhalten bleiben      und in das neue Haus eingegliedert werden. Damit die Geister des alten Hauses      in das neue Haus übersiedeln können. Das ist mehr als ein Talisman, mehr      als ein Aberglaube. Das ist eine Notwendigkeit, für die es ausführliche      Beweise gibt. Eine totale, restlose Zerstörung des alten Gemäuers wäre      eine Nichtachtung des Vergangenen, eine Zerstörung der Basis, die sich      bitter rächen würde. Denn das neue Haus wäre zum Scheitern verurteilt so      wie alle anderen, die ohne diesen Grundsatz gebaut wurden.</li>
<li>Baummieter müssen in das neue Haus einquartiert werden. Baummieter      sind Bäume, die aus Fenstern herauswachsen und solcherart die sterile      senkrechte Hausfläche begrünen, belauben und bewalden. Straßenbäume sind      oft unmöglich wegen des Autoverkehrs und wegen der Untergrundanlagen, und      Dachgärten sind von der Straße nicht sichtbar. So bietet sich die      senkrechte Wand zum Baumpflanzen an. Der Baummieter benötigt einen      minimalen Raum und bezahlt seine Miete in Sauerstoff, Schönheit, Romantik,      mit seiner Staubschluck- und -filtertätigkeit, als Klimaverbesserer, als      Lärmdämpfer, Schattenspender und in vielen anderen haltbaren Devisen.</li>
<li>Die Erdflächen der Terrassen und Dächer werden 0,5 bis 1 m      aufgeschüttet und reichen bis in Fensterbretthöhe, damit der Bewohner die      Rasenflächen beim Sitzen in Augenhöhe hat. Die Natur wird ihm so      nähergebracht. Er kann vom Fenster aus die Blumen und Gräser mit der Hand      erreichen. Ein intimeres, gesünderes Leben mit der Natur wird ermöglicht,      damit der unter dem Grasdach Wohnende nicht in seiner Wohnhöhe      eingeschränkt wird. Damit mehr Erdreich auf den Dächern untergebracht      werden kann, damit auch große Bäume wachsen. Der Lichteinfall bleibt der      gleiche. Die Wohnungen sind genauso trocken und luftig wie andere, ohne      Gras vor den Fenstern, haben sogar eine bedeutend bessere Luft durch den      zusätzlichen Sauerstoff.</li>
<li>Der Gehsteig in der Löwengasse besitzt ein Arkadenvordach, das      begrünt und mit Bäumen bepflanzt wird. Der Gehsteig ist so wettergeschützt      und hat trotzdem genügend Lichteinfall. Die Wohnungen im ersten Stock      haben Zugang zur Arkadenbegrünung und solcherart einen Dachgarten vor dem      Fenster. Die gegenüberliegenden Häuser haben statt einem grauen Gehsteig      einen Blick auf Wiese und Bäume.</li>
<li>Die Stockwerke sollen sich nach oben verjüngen, unten größere      Geschoßhöhe, größere Fenster, oben kleinere Geschoßhöhe, kleinere Fenster.      Dies, damit eine demokratischere Verteilung von Licht und Luft      gewährleistet wird. Die neuzeitlichen gleichen Etagenhöhen verletzen das      gleiche Recht aller auf Licht und Luft, da die oberen Mieter privilegiert      sind, die unteren Mieter aber benachteiligt werden. <em>Ein Quadratmeter      Fenster läßt nicht überall die gleiche Menge von Licht und Luft herein</em>.</li>
<li>Die Außen- und Innenwände dürfen nicht perfekt glatt und flach mit      der Latte abgezogen sein, sondern müssen mit der Hand belebt sein.      Spezialisten und Maurer müssen für diese Aufgabe herangezogen werden,      deren Ehre es ist, belebte Wände herzustellen. Probeverputze müssen ab      sofort in Angriff genommen werden.</li>
<li>Ich werde an der Außenfassade Keramik oder Mosaiklinien anbringen,      damit die geometrischen rechteckigen Fenster, Kanten und sonstigen      Strukturlinien entschärft werden und die moderne Struktur etwas vom      bekannten aggressiven Terror verliert.</li>
<li>Das Haus soll eine Herausforderung sein. Daß trotz Beton und      industriellen Materialien natürlicher Baumbewuchs möglich ist. Ja sogar,      es soll der Beweis erbracht werden, daß sogar moderne Bauweise ein Stück      Natur im Stadtzentrum ermöglichen kann.</li>
<li>Nach Fertigstellung des Hauses und Pflanzen der Bäume auf den      Dächern, Terrassen und Arkadenvordächern und Einpflanzen der Baummieter      soll ein Jahr bzw. eine längere Zeitspanne verstreichen, wo die Vegetation      Zeit hat, sich natürlich einzuwachsen. Bevor die Mieter einziehen und die      jungen Pflanzen eventuell zerstören.</li>
<li>Ein Budget muß geschaffen werden, um eventuelle Schäden an Dachgärten      zu beheben, die Bäume zu pflegen und abgestorbene durch neue zu ersetzen.</li>
<li>Der Baumbewuchs soll möglichst natürlich, ohne gärtnerisches Zutun      des Menschen vor sich gehen mit dem Ziel, ein Stück wahrhaft unberührter      Natur erstehen zu lassen. Keinen gepflegten, gestutzten immergrünen      Schanigarten. In dieser Hinsicht darf das Gras nicht geschnitten, das      Laub, das auf die Grünfläche fällt, nicht entfernt werden.</li>
<li>Das Fensterrecht der Bewohner muß gesetzlich verankert werden. Das      Fensterrecht hört dort auf, wo der Nachbar geschädigt werden kann.</li>
</ol>
<p>Warum sind Häßlichkeit und unmenschliche Bauweise erlaubt?</p>
<p>Warum gibt es dafür Bewilligungen?</p>
<p>Überall, wohin das Auge schaut, ist in Häßlichkeit erstarrte Scheußlichkeit.</p>
<p>Und für alle diese Häuser gab es Baubewilligungen.</p>
<p>Warum sind Schönheit und menschenwürdige Bauweise nicht gestattet?</p>
<p>Warum ist der Weg zu einer menschenwürdigeren Bauweise mit unüberwindlichen bürokratischen Hemmnissen versperrt?</p>
<p>Umgekehrt sollte es sein.</p>
<p>Helft mir, endlich den anonymen Perfektionismus zu beseitigen, damit eine inhaltsvolle neue Zeit beginnen kann.</p>
<p>Das Haus ist eine Zusammenarbeit zwischen einem Architekten und einem Maler, mit allen Begleiterscheinungen des Kompromisses zwischen Rationalität und machbarer unregelmäßiger Romantik. Das ist ja das Interessante daran.</p>
<p>Dieses solitäre Beispiel ist eine längst fällige Notwendigkeit, die Antwort gibt, ob die jetzige Architektur auch anders sein und ausschauen kann.</p>
<p>Der Architekt ist mehr für das Innere, der Maler mehr für das Äußere zuständig.</p>
<p>Der Maler will Kreativität im Einklang mit den Gesetzen der Natur.</p>
<p>Der Architekt muß schauen, daß das Ganze nicht zusammenfällt.</p>
<p>Die scheinbaren Mehrkosten sind gar keine, denn sie werden durch eine höhere Lebensqualität, durch eine höhere Wohnqualität und durch Glücklichsein amortisiert. Seelische Depressionen und Unglücklichsein kosten viel mehr Geld. Nicht zu sprechen von den Kosten, die die Allgemeinheit für Ärzte, Spitäler, Medikamente aufzubringen hat.</p>
<p>Wenn Menschen in einer menschengerechten Umwelt wohnen können, die sie mitgestalten können, anstatt in einer anonymen, feindlichen, aggressiven Betonwüste, dann fliehen sie nicht bei jeder Gelegenheit wie aus einem Konzentrationslager, entweder aufs Land, in die Ferien, in Mittel, die die feindliche Umwelt vergessen machen oder übertönen. Und das kostet auch viel Geld.</p>
<p>Es gibt mehr Lebens- und Arbeitsfreude, weniger Aggressionen und Vandalismus. Auch das ist in Geld berechenbar.</p>
<p>Die Grasbedachungen vermindern Staub, Lärm, Heizkosten, erzeugen Sauerstoff, mindern Klimagegensätze. Auch das sind Kostengewinne. Die Bilanz ist auf alle Fälle positiv.</p>
<p>Das Haus ist kein Öko-Haus. Denn es hat keine Sonnenkollektoren auf dem Dach, keine Humustoiletten, keine Windgeneratoren. Es weidet kein Vieh auf dem Dach, <em>aber man wird etwas Obst und Gemüse auf dem Dach ernten können</em>.</p>
<p>Trotzdem ist es ein ungewöhnliches Haus. Denn es soll in dem Meer von rationellen Häusern eine Oase für Menschlichkeit und für die Natur sein. Es soll die Sehnsucht der Menschen und Romantik verwirklichen. Genau die Romantik, die die rationelle Architektur mit tödlich sterilem Eifer negiert und auszumerzen sucht.</p>
<p>Alle freuen sich, nach Hause zurückzukommen. Denn das Haus funkelt im Sonnenschein und im Mondlicht. Es hat Brunnen, und man kann im Grünen sitzen. Und man blickt mit Wohlgefallen auf die lebenden Mauern und <em>erkennt</em> die lebenden Fenster, die man selbst umgestalten darf, hinter denen man wohnt.</p>
<p><em>Änderungen und Ergänzungen Hundertwassers von 1996 sind kursiv gesetzt.</em></p>
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		<title>Das Hundertwasserhaus</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 14:33:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Fürst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zur Philosophie des Hauses]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir erleben wieder eine Wende, wo alte und starre Werte in der Architektur und im Städtebau immer mehr in Frage gestellt werden. Die Geradlinigkeiten und die Uniformität der Bauhausarchitektur gehen ihrem Ende entgegen, denn sie ist gefühllos, steril, kalt, herzlos, &#8230; <a href="http://www.hundertwasser-haus.info/blog/2011/06/21/das-hundertwasserhaus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_366" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.hundertwasser-haus.info/wp-content/uploads/2011/07/004-Hundertwasser.jpg"><img class="size-medium wp-image-366" title="004-Hundertwasser" src="http://www.hundertwasser-haus.info/wp-content/uploads/2011/07/004-Hundertwasser-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Hundertwasser auf einer Terrasse des Hundertwasser-Hauses. Foto: Alfred Schmid</p></div>
<p>Wir erleben wieder eine Wende, wo alte und starre Werte in der Architektur und im Städtebau immer mehr in Frage gestellt werden. Die Geradlinigkeiten und die Uniformität der Bauhausarchitektur gehen ihrem Ende entgegen, denn sie ist gefühllos, steril, kalt, herzlos, aggressiv und emotionslos. Die Ära des absoluten Rationalismus geht zu Ende. Die neuen Werte sind erhöhte Lebensqualität und nicht Lebensstandard, Sehnsucht nach Romantik, Individualität, Kreativität, insbesondere Kreativität, und ein Leben in Harmonie mit der Natur.</p>
<p>Der Mensch hat drei Häute, seine eigene, seine Kleidung und seine Behausung. Alle diese drei Häute müssen sich erneuern, ständig wachsen und wandeln. Wenn aber die dritte Haut, das heißt, die Außenwände seiner Wohnung, sich nicht auch wandelt und wächst, wie die erste Haut, dann erstarrt sie und stirbt.</p>
<p>Häuser sind wachsende Gebilde so wie die Bäume. Häuser wachsen wie Pflanzen, leben und wandeln sich ständig. Die heutige Architektur aber ist kriminell steril, denn fatalerweise hört jegliche Bautätigkeit dann auf, wenn die Menschen ihre Quartiere beziehen, wo doch normalerweise die Umgestaltung des Lebensraumes nach Einzug des Menschen überhaupt erst beginnen sollte.</p>
<p>Die Architektur ist zu einer Farce geworden, die dem Menschen nicht mehr entspricht. Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensch seine zweite und dritte natürliche Haut, nämlich Kleidung und die Architektur derartig vergewaltigt, dass sie ihm nicht mehr passen.</p>
<p>Die Architekten bauen Gefängniszellen, in denen die Seele des Menschen zugrunde geht. Heute erleben wir den Triumph der rationellen Technik, stehen jedoch gleichzeitig vor dem Nichts.</p>
<p>Ästhetische Leere, uniforme Wüste, mörderische Sterilität und schöpferische Impotenz. Gerade aus Wien können wieder Impulse der Architektur in die Welt hinausgehen. Denn Österreich war schon immer ein Land der Architektur. Der Barock, der Jugendstil, Adolf Loos, als Vorstufe des Bauhauses, der soziale Wohnbau der Zwischenkriegszeit und nun das Hundertwasserhaus. Es wurde wieder ein Signal für die Welt gesetzt.</p>
<p>Ein Bewohner muß das Recht haben, sich aus seinem Fenster zu lehnen und außen an seiner Außenwand alles gestalten zu dürfen, wie es ihm entspricht, soweit sein Arm reicht, damit man von weitem sehen kann, dort wohnt ein Mensch.</p>
<p>Auf die Spiegelfliesen scheinen der Mond, die Sonne und die Laternen. Reiche und Mächtige hatten schon immer Türme und Kuppeln, daß aber der normale Durchschnittsmensch auch Türme, sogar vergoldete, haben kann, ist neu. Die Architektur soll den Menschen erhöhen, nicht erniedrigen, erdrücken und versklaven. Ein goldener Zwiebelturm im eigenen Haus erhebt den Bewohner in den Status eines Königs. Die graue Massenmisere ist zu Ende, das goldene Zeitalter bricht an.</p>
<p>Damit die Geister des alten Hauses in das neue übersiedeln können, wurde ein Fassadenstück des alten Hauses nachgebildet, mit Schlußsteinen und Backenbärten, mit Quadern und Rillen.</p>
<p>Die schnurgerade tote Skyline ist ein unrühmliches Erbe des Bauhauses. Wenn die Grenze zwischen Erde und Himmel ermordet ist durch das Lineal, so sind auch alle Brücken abgebrochen zwischen dem Menschen und Höherem. Zwischen dem unnatürlichen brettelgeraden Boden und der schnurgeraden Skyline wird der Mensch erdrückt.</p>
<p>Die Säule ist ein wesentliches Element abendländischer Architektur, bei einer Säule fühlt man sich wohl wie unter einem Baum. Eine Säule muß schön und vielfarbig sein und auch im Regen und Mondlicht aus eigener Kraft leuchten. Figuren, Löwen, Statuen, Adler, Kugeln. Wenn sie verwittern und Moos darauf wächst, sind sie so schön wie Statuen im alten Rom. Wenn man dem Menschen seine Wurzeln in die Vergangenheit zerstört, so verhindert man seine Zukunft.</p>
<p>Die Romantik wurde zum Kitsch erklärt, so wurde die Romantik dem Menschen gestohlen. Darf man nicht träumen? Das Recht auf Träume ist das letzte Menschenrecht. Nimmt man dem Menschen seine Träume und Sehnsüchte, so geht er zugrunde. Die Abwesenheit von Kitsch macht unser Leben unerträglich.</p>
<p>Das ist der Wandelgang, ein Gang ist nicht nur zum Durchgehen da, der Gang kann und soll im Gehen Menschlichkeit, Wärme und Schönheit, Vertrautheit vermitteln, und zwar für alle Sinne.</p>
<p>Der unebene Boden ist wie eine Symphonie, wie eine Melodie für die Füße, der Gang wird zum schönen Weg. Das Fliesenband in den Gängen und Stiegenhäusern begleitet den Menschen, der durch den Gang geht und der Stiegen steigt, wie ein Freund. Aber auch die Wände sind gewellt wie einer versteinerter Faltenrock, der bis an den Boden reicht. Wie durch ein Wunder entstanden, quasi als Nebenprodukt des Fliesenlegens, unzählige Mosaike an den Wänden und auf dem Boden. So spontan wie Blumen und Bäume plötzlich auftauchen oder wenn etwas Schönes sich selbst erschafft.</p>
<p>Architektur muß dem Menschen seine Seele wieder zurück geben. Das Hundertwasserhaus ist ein architektonisches Zeichen, das zur Umkehr und Abwendung von der traditionellen und seelenlosen Architektur aufruft, ein Haus, in dem sich die Kreativität der Natur und die Kreativität des Menschen begegnen. Die Stadt Wien hat mit diesem Haus ein Projekt mit einmaliger Modellhaftigkeit ermöglicht.</p>
<p>Es ist zu hoffen, daß dieses Haus als ganz wesentlicher Beitrag zum sozialen Wohnbau und zu Ehren Wiens von der ganzen Welt, insbesondere von Architekten und Urbanisten, ernst genommen wird, und zwar als wichtiges Beispiel für eine neue und kreative Architektur.</p>
<p>Hundertwasser, in: Hundertwasser-Haus, Vienna: Orac Verlag, 1988 (Auszug)</p>
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